Leserkanone.de-Interview

 

In ihrem Buch »Und die Dornen spür ich heute noch« berichtet Natascha Bergvolk von einem beschwerlichen Lebensweg. Im Interview mit Leserkanone.de sprach die Autorin über ihren Roman, über ihre Protagonistin Sylvia und über anspruchsvolle Buchthemen.

 

– Frau Bergvolk, womöglich hat noch nicht jeder Besucher unserer Webseite Notiz von Ihrem Roman »Und die Dornen spür ich heute noch« genommen. Könnten Sie Ihr Buch unseren Lesern kurz mit eigenen Worten vorstellen?

 

Die Dornen...ist eine Autobiographie der kleinen Sylvia. Ihr Leben lief bereits ab der Geburt mehr als Turbulent. Ihre Mutter wurde ausgewiesen. Sylvia blieb bei ihrem Vater. Das Jugendamt hat sich dann um den Fall gekümmert. Sylvia hat mit 3 Jahren ihren 5. Pflegeplatz bekommen. Dort verbrachte sie Kindheit und Jugend unter manch tragischen Abläufen. Sylvia hat eines nie gelernt, Liebe zu geben und Liebe anzunehmen. Sie war negativ und immer auf der Suche nach Heimat, nach Ankommen. Dies schien ihr nicht gegönnt zu sein. Doch eines konnte sie...hinfallen, aufstehen und unter Tränen lachen. Niemals würde sie aufgeben und das hielt sie all die Jahre hoch.

 

– Den Lesern welcher anderer Autoren oder welcher anderen Romane würden Sie Ihr Buch ans Herz legen? Haben Sie literarische Vorbilder? Was sind Ihre eigenen Lieblingsromane?

 

Ich begann bereits in der Kinderzeit Romane und Gedichte zu schreiben. Später dann kleine Theaterstücke und Lieder, die ich selbst vortragen durfte. Ich sah mich immer in der Rolle eines ...helfenden Autors...das heißt, ich wollte etwas geben, den Menschen zeigen, egal welches Schicksal sie ergreift, es gibt immer einen Weg. In der Mitte meines Lebens, als meine Kinder heran wuchsen, wollte ich ihnen mein Lebenswerk »Und die Dornen spüre ich heute noch« als ewige Erinnerung hinterlassen. Ich sah, dass vieles bei ihnen schief lief und sie scheinbar meine eigenen Fehler wiederholten. Inzwischen sind sie erwachsen und gehen »Gott sei Dank« ihre eigenen Wege. Vorbilder für mich waren meine Heimatautoren und da besonders Mundart und Geschichten von Karl Heinrich Waggerl, Peter Rosegger, Ludwig Thoma, Ganghofer usw.

 

– Was macht Sylvia, die Protagonistin Ihres Werks, zu einem solch »besonderen« Charakter, dass man ihn unbedingt kennenlernen sollte? Was schätzen Sie an ihr persönlich?

 

Der besondere Charakter von Sylvia ist, dass sie sich als wertloser, ungeliebter, heimatloser Mensch fühlte und trotzdem versuchte mit Freundlichkeit und Wärme und Aufgehen im Schicksal der Anderen niemals aufgab und sich so als etwas besonderes empfand. Sylvia konnte vielen Menschen mit Worten und Taten zu mancherlei angenehmen Situationen verhelfen. Das machte sie stolz und wissend, dass ihre angenehme und schöne Zeit auch irgendwann in ihr Leben treten wird.

 

– Lässt sich - ohne den Verlauf des Buchs vorwegzunehmen - erläutern, was es mit dem Titel auf sich hat?

 

Der Titel die Dornen...ist ein Satz von Sylvia zu ihrem leiblichen Vater. Sie jammerte und er sagte »aber Kind du bist ein Kind der Liebe und unter einem Rosenbogen gezeugt worden. Ihre Antwort dazu »Ja und die Dornen spüre ich heute noch«.

 

– Der Klappentext Ihres Buchs klingt äußerst schwermütig, Ihr zweites Buch »Und trotzdem liebe ich dich, mein Sohn« schlägt in die gleiche Kerbe. Verlage empfehlen Autoren oft, es vor dem Schaffen anspruchsvoller Werke zunächst mit leichten und humorvollen Büchern zu probieren, um schnell zu Bekanntheit zu gelangen und erst einmal eine gewisse Schar an Fans aufzubauen. Macht man sich es als Autorin womöglichst selbst schwer, genau den entgegengesetzten Weg zu gehen? Was hat Sie dazu bewegt, diese Richtung einzuschlagen?

 

Ich versuche bei meinen Schicksalsromanen immer ein Thema der Zeit mit einzubauen. Beim Sohn war es eine Sache die mich sehr beschäftigte...weshalb sind junge Menschen so aggressiv, so depressiv, Achtungslos und unzufrieden, obwohl sie ein vielfaches ihrer Eltern ihr Eigen nennen können. Doch was sie nicht haben ist Respekt, echte Liebe , echtes Verstehen usw. Ich habe Mütter im Kaufhäuser erlebt, die schier an ihren kleinen Kindern verzweifelten, wenn das Kind am Boden liegt und strampelt und brüllt: »ich will aber, oder nein das gebe ich dir nicht, du bist doof usw. Ich versuche mich in jede Person hinein zu versetzen und so schreibe ich. Leider habe ich nicht viele Leser, aber die Menschen die meine Bücher lesen, die geben mir gute Rückmeldungen.

 

– Hinter Ihrem Buch liegt schon eine längere Veröffentlichungsgeschichte, denn es wurde bereits vor beinahe fünf Jahren durch einen Verlag herausgegeben. Später publizierten Sie das Buch noch einmal in Eigenregie via »Books on Demand«. Wie kam es dazu? Halten Sie den »klassischen« Weg des Veröffentlichens über einen »althergebrachten« Verlag heutzutage überhaupt noch für zweckmäßig und erwägen Sie, es in Zukunft auch einmal auf diese Weise zu probieren?

 

Ich habe mein Manuskript bei einigen großen Verlagen vorgestellt. Es kamen auch vorläufige Verträge zurück. Doch die Summen waren für mich als kleine Rentnerin nicht zu bezahlen. Irgendwann hatte ich zu verschiedenen Autoren Kontakte geknüpft und erfahren, dass die Preise gestaffelt sind, je nach Erfolgs und Bekanntheitsgrad. Überglücklich fand ich dann im Internet sogenannte kleine selbstständige Verlage die für sogenanntes kleines Geld (etwa € 500,00) mein Buch veröffentlichen wollten. Ich war mit der sogenannten Geschäftsmethode nicht einverstanden. Deshalb entschloss ich mich für Self-Publishing und bezahle wirklich nur Kleingeld, habe aber trotzdem genaue Abrechnung sogar Seitenweise bei eBooks. Natürlich macht es mich traurig wenn ich von anderen höre oder lese, wie viel Erfolg sie haben.

 

– Abschließend noch eine womöglich etwas indiskrete Frage: Natascha Bergvolk ist nicht Ihr richtiger Name, sondern ein Pseudonym. Was hat Sie dazu gebracht, gerade diesen Namen zu wählen? Verbirgt sich dahinter eine Geschichte?

 

Meine Mutter wünschte sich für mich den Vornamen Natascha. Ich heiße aber Ingeborg. Bevor das erste Buch veröffentlicht wurde, rief der Verleger an und wollte wissen, mit welchen Namen das Buch veröffentlicht werden soll. Da ich zu dieser Zeit bei meiner Mutter zu Besuch war, erfüllte ich ihr den Wunsch der »Natascha.« Wenn mein Freund mich sprachlich nicht verstehen konnte, weil ich die österreichische Muttersprache verwendete, so sagte er: »Ja, ja das kleine Bergvolk.« Da entstand das Pseudonym »Natascha Bergvolk.«

 

– Was können wir von der Autorin Natascha Bergvolk in der nächsten Zukunft erwarten? Sind bereits neue Buchprojekte in Planung?

 

Schreiben und immer wieder schreiben solange meine Finger die Tasten des PC bewegen können. Schicksale liegen mir und das Buch das gestern zur Veröffentlichung geschickt wurde ist auch ein Schicksal. Da stellte sich mir die Frage - warum ist es scheinbar nicht möglich mit verschiedenen Glaubensrichtungen unter einem Dach zu leben. Klar ist mir bekannt, dass es Glaubenskriege gibt, solange die Erde sich dreht. Aber meine Frage ist Was ist Glaube - was ist Religion? Brauch ich eine Kirche? Wo lebt Gott, gibt es ihn, oder ist er nur da um von Menschen gebraucht, andere Menschen klein zu halten?

 

Dieses Buch heißt »hoffen***lieben***glauben« Als nächstes geht es um das Internet...Kann man die Liebe in diesem Kasten finden? Was geht den Menschen verloren durch das Gerät und was gewinnen sie dazu? Dann schwebt mir etwas aus der Natur vor...endet Leben mit dem Tod oder hat der Grashalm eine Seele?

 

Es gibt unendlich viel, dass Seitenweise in mir schlummert. Zu gerne hätte ich mein erstes Buch als Drehbuch gesehen, aber irgendwo bin ich eben nur »ein kleines Licht mit großen Ideen, Gefühlen und Fantasien - egal was passiert...ich gebe niemals auf. Hoffentlich sind mir noch viele Jahre in geistiger körperlicher und seelischer Gesundheit gegönnt, dann wird man noch öfter von mir hören.

 

Das Team von Leserkanone.de dankt Natascha Bergvolk für die Zeit, die sie sich genommen hat!